Academy

Wer im ambulanten Setting arbeitet, kennt diese Momente: Wenn Zeit knapp ist, die Situation komplex, die Verantwortung gross – und dennoch der Anspruch bleibt, jedem Menschen gerecht zu werden. Der Alltag der Spitex ist anspruchsvoll und vielfältig, voller kleiner Erfolge, aber auch voller Herausforderungen, die oft unsichtbar bleiben.
Unser erster Weiterbildungstag dieses Jahr stand ganz im Zeichen der Spitex: den Herausforderungen, denen Pflegefachpersonen im ambulanten Bereich begegnen, und den Lösungen, die sie gemeinsam entwickeln. Der diesjährige Auftakt der Publicare Academy brachte Pflegefachpersonen, Therapeutinnen und Therapeuten, Ärztinnen, Fachkolleginnen und Fachkollegen zusammen, um gemeinsam hinzuschauen: auf interprofessionelle Zusammenarbeit, auf digitale Entwicklungen, auf Entlastung im Pflegealltag – und nicht zuletzt auf die Menschen, die im Zentrum dieser Arbeit stehen. Schon in den ersten Minuten wurde klar: Der Austausch tut gut. Und er ist notwendig.
Interprofessionelle Zusammenarbeit in der häuslichen Versorgung
Den thematischen Einstieg gestaltete Dr. med. Sabine Heselhaus mit einem klaren Blick auf die aktuelle Versorgungssituation:
Die Zukunft liege in einer integrierten Gesundheitsversorgung, in der alle Berufsgruppen – von Spitex über Lymphtherapie bis zur ärztlichen Betreuung – enger vernetzt arbeiten sollten.
Besonders betonte sie:
Fehlende Dateninteroperabilität erschwert die Zusammenarbeit: Ein gemeinsamer, zentraler Zugang zu Patientendaten wäre für alle Beteiligten entscheidend.
Virtuell vor ambulant vor stationär: Die Versorgung wird sich weiter in Richtung digitaler und häuslicher Betreuung verschieben.
Ärztliche Verantwortung stärken: Diagnostik und Ursachenanalyse müssen bei den Ärztinnen und Ärzten bleiben – Pflegende sollen entlastet werden.
Mit einer Frage ans Plenum holte sie die Perspektive der Teilnehmenden aktiv ins Zentrum:
Was würde Ihre Arbeit im Alltag erleichtern?
Hunde im ambulanten Setting – therapeutische Unterstützung, die wirkt
Ein besonderes Highlight war der Beitrag von Angela Burgherr, Claudia Schweizer und Therapiehündin Eyla.
Sie zeigten eindrücklich, wie Hunde im ambulanten Setting der Spitex Noa wirken – in den Bereichen Somatik, Psychiatrie, Gruppenangeboten und Palliative Care.
Der Input „TikTok weiss, was die Pflege unterschätzt“ sorgte für Schmunzeln und gleichzeitig für einen wichtigen Denkanstoss:
Therapiehunde unterstützen nicht nur die Klientinnen und Klienten, sondern auch die Beziehungsgestaltung im Pflegealltag.
1. KI in der Pflege – Chancen, Grenzen und Werte
Der Workshop zum Thema „Mensch & KI“ zeigte praxisorientierte Anwendungen, darunter:
automatische Korrektur und Übersetzung von Patientenberichten
Erfahrungen aus dem Oase Health Pilotprojekt
klare Rollenverteilung: Der Mensch bleibt entscheidend – KI unterstützt.
Besonders betont wurde, dass KI keine Werte wie Nähe, Empathie oder Menschlichkeit mitbringt.
Die Teilnehmenden diskutierten, welche Basiswerte künftig umso wichtiger sind:
Liebe
Freiheit
Gesundheit
Frieden
Digitalisierung steigert Effizienz – ersetzt aber keinen echten zwischenmenschlichen Kontakt.
2. Débridement – fachliche Auffrischung
Der Workshop zum Thema Débridement behandelte die zentralen Grundlagen:
Definition: Entfernung von avitalem Gewebe / Fibrin
Ziel: Förderung der Wundheilung durch ein sauberes Wundbett
3. Unterstützung für Spitex-Pflegefachpersonen & Zusammenarbeit mit Angehörigen
Im dritten Workshop standen belastende Situationen sowie Grenzen der ambulanten Versorgung im Fokus:
Herausforderungen: Demenz, Ablehnung von Unterstützung, fehlende Angehörige
Belastende Situationen werden häufig erlebt – oftmals ohne Veränderungsmöglichkeit
Gefährdungsmeldungen werden nur in 35 % der Fälle gemacht, meist erst sehr spät
Besonders hervorgehoben wurde die Bedeutung eines aktiven Netzwerkes:
Vernetzung mit Institutionen und Organisationen
Regelmässige kollegiale Beratung als entlastendes Instrument
Zudem wurde ein Schwerpunkt auf finanzielle Ansprüche im Alter, insbesondere Ergänzungsleistungen, gelegt.
Pflegende Angehörige und Spitex – Chancen & Risiken der Zusammenarbeit
Zum Abschluss beleuchteten Esther Bättig von Spitex Schweiz und Romina Hauser von solicare die Rolle pflegender Angehöriger:
Chancen der Zusammenarbeit
Risiken und Grenzen
Praxisbeispiele aus der Zusammenarbeit mit Spitex-Pflegefachpersonen
Der Beitrag zeigte klar: Pflegende Angehörige sind eine wertvolle Ressource – benötigen aber Anleitung, Unterstützung und klare Rollen.
50 % der nach 2000 geborenen Kinder werden voraussichtlich 100 Jahre alt.
Der Auftakt der Publicare Academy 2026 hat eindrücklich gezeigt, wie vielfältig und anspruchsvoll die Arbeit im ambulanten Bereich ist – und wie wichtig ein interprofessioneller Austausch bleibt.
Das positive Feedback der Teilnehmenden bestätigt: Praxisnahe Inputs, echte Alltagserfahrungen und wertschätzender Austausch machen den Unterschied.
Wir freuen uns auf ein inspirierendes Academy-Jahr 2026 mit wertvollen Begenungen und nachhaltigen Inputs für alle Teilnehmenden.
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