Academy

Am der zweitägigen Publicare Academy – Basic Wound Care Seminar kamen Wundexpertinnen, Pflegefachpersonen und interessierte Fachkräfte zusammen, um ihr Wissen in der modernen Wundversorgung zu vertiefen. Die Veranstaltung bot eine kompakte Mischung aus wissenschaftlichen Grundlagen, praxisnahen Fallbeispielen und konkreten Handlungsempfehlungen für den klinischen Alltag.
Die Ursachen chronischer Wunden – Dr. med. Jürg Traber
Gleich zu Beginn bot Dr. Traber einen fundierten Einstieg in die Welt der chronischen Wunden. Er zeigte auf, dass sich verschiedenste Wundarten – venös, arteriell, diabetisch oder druckbedingt – zwar in ihrer Ätiologie unterscheiden, jedoch eines gemeinsam haben:
Die Heilung stockt, wenn grundlegende physiologische Prozesse gestört sind.
So spielen Durchblutung, Sauerstoffversorgung, Ernährung, Infekte oder systemische Erkrankungen zentrale Rollen.
Sein prägnanter Appell blieb vielen im Gedächtnis:
Chronische Wunden sind selten eindimensionale Probleme – sie sind komplexe Interaktionen.
Diese Perspektive schuf das Fundament für die darauffolgenden Themen und Diskussionen.
Wundbeurteilung und Wunddiagnostik – Zoe Jacob und Manuela Kalaj, Coloplast
Im zweiten Vortrag zeigten die Referentinnen, wie essenziell eine systematische, strukturierte Wundbeurteilung für erfolgreiche Therapieentscheidungen ist.
Der Fokus lag auf dem Wund‑Dreieck – Wundgrund, Wundrand und Wundumgebung – als praxisnahes und sehr anwenderfreundliches Instrument.
Die Expertinnen verdeutlichten:
Wundbeurteilung beginnt immer beim Menschen, nicht bei der Wunde.
Exakte Dokumentation (inkl. Fotodokumentation) verhindert Fehlinterpretationen.
Ein „Detektivblick“ hilft, versteckte Ursachen wie Druck, Infektion oder inadäquates Exsudat-Management aufzudecken.
Ein Satz blieb besonders hängen:
Wir müssen Wunden heilen – nicht nur behandeln.
Zur Abrundung folgte eine Übersicht über gängige Wundauflagen und Produktegruppen, inklusive Superabsorbern, Hydrofaser-Produkten, Alginaten und Schaumstoffen – ein wertvolles Praxiswissen für Fachpersonen im Alltag.
Hautpflege und Hautschutz – Marion Benz
Tag zwei startete mit einem Blick auf die Haut als wichtigstes Schutzorgan. Marion Benz erläuterte den Aufbau von Epidermis, Dermis und Subcutis sowie ihre Bedeutung für die Wundheilung.
Ein Schwerpunkt lag auf der Pflege der Wundumgebung, denn:
trockene, rissige oder mazerierte Haut beeinflusst den Heilungsverlauf negativ
falsche Klebstoffe oder Emulsionen können Hautschäden verstärken
geeignete Inhaltsstoffe wie Urea, Glycerin, Milchsäure oder Panthenol schützen und stabilisieren die Barrierefunktion.
Auch praktische Tipps zum Cremen, zur Produktwahl und zum Umgang mit klebenden Verbänden gehörten dazu – ein hochgeschätztes, alltagsrelevantes Thema.
Wundreinigung & Wundbettvorbereitung – Marion Benz
Im Anschluss widmete sich Marion Benz den wesentlichen Schritten der Wundbettvorbereitung, unterstützt durch das URGE‑Schema (Umgebung, Rand, Grund, Exsudation).
Sie zeigte auf, wie entscheidend eine gründliche, aber gewebeschonende Reinigung für die Heilung ist.
Behandelt wurden u. a.:
mechanische Verfahren (z. B. Debrisoft, Pinzette, Curette)
Nass‑/Trockenphase zur Belagslösung
biologische Verfahren mit Maden
enzymatische und autolytische Methoden
der gezielte Einsatz von Spüllösungen und Antiseptika (PHMB, Octenidin, hypochlorige Lösungen etc.) inklusive deren Kontraindikationen
Nur wer das Ziel der Wundbehandlung kennt, kann das richtige Material wählen.
Zudem stellte sie die wichtigsten Produktegruppen erneut im Kontext dar:
Absorber, Superabsorber, Hydrofaser, Alginat, Schaumstoffe – und wie sie für trockenes, feuchtes oder stark exsudierendes Wundmilieu eingesetzt werden.
Wundheilungsstörungen – Zusammenhänge erkennen
Abschliessend führte Marion Benz durch die häufigsten Einflussfaktoren, die eine Wundheilung behindern – von Durchblutungsstörungen über systemische Erkrankungen bis zu Druck, Ernährungsmangel und psychosozialen Themen.
Besonders eindrücklich waren die Fallbeispiele mit Bildverläufen über mehrere Wochen, die zeigten:
wie konsequente Wundbettvorbereitung wirkt
weshalb Adhärenz der Patientinnen und Patienten entscheidend ist
wie kleine Veränderungen grosse Fortschritte bewirken können
Praxis pur – Produktgruppen live erklärt
Zum Abschluss der Veranstaltung kombinierten die Referierenden Theorie und Praxis:
Anhand realer Fälle zeigten sie, wie Auswahl und korrekter Einsatz der Produktgruppen – von Superabsorbern über Schaumstoffe bis hin zu Alginaten – den Heilungsverlauf beeinflussen.
Dank der engen Verbindung von Theorie, Fallarbeit und praktischer Demonstration nahmen die Teilnehmenden konkrete Handlungsschritte für ihren Berufsalltag mit.
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