Wissensreihe #Wund: Einflüsse und Komplikationen bei der Wundheilung

Nach einer gelungenen Operation spüren Patienten Erleichterung. Die darauf folgende Wundheilung ist jedoch nicht zu unterschätzen. Patienten- und wundspezifische Faktoren können den Heilungsprozess verlangsamen und negativ beeinflussen. Komplikationen können im schlimmsten Fall zu bleibenden Gefäß-, Nerven-, Sehnen-, Muskel- und Knochenschäden führen.

Welche Faktoren beeinflussen die Wundheilung negativ?

Patientenspezifische Faktoren

Lebensalter | Je höher das Alter des Patienten, desto langsamer der Heilungsprozess. Beispielsweise vermindert die Reduzierung der Hautdicke, Bindegewebszellen und der Talgdrüsen die Widerstandsfähigkeit, Schutzfunktion und Immunabwehr der Haut.

Ernährungsstatus | Eine Mangelernährung an Proteinen, Vitaminen, Spurenelementen hemmt die Heilung.

Immunstatus | Bei immunschwachen Patienten wie Tumorpatienten, Mangelernährten oder Drogenabhängigen besteht eine erhöhte Anfälligkeit für Heilungsstörungen und Infektionen.

Begleiterkrankungen | Diabetes mellitus, Bindegewebserkrankungen, Leberschäden oder postoperative Komplikationen wie Thrombose können schwerwiegenden Einfluss auf die Heilung haben.

Arzneistoffe | Bestimmte systematisch verabreichte Arzneistoffe hemmen den Wundheilungsprozess. Diese können aber nicht immer abgesetzt werden. Hier muss zwischen Nutzen und Risiko abgewogen werden.

Strahlentherapie | Bei der Bestrahlung von Tumorgewebe ist eine Schädigung des gesunden Gewebes unvermeidbar. Cutis und Subcutis weisen danach unter anderem eine schlechtere Durchblutung auf.

Lokale Faktoren

Lokalisation und lokale Versorgung | Entscheidend für die Wundheilung ist die lokale Durchblutungssituation. Gut durchblutete Stellen wie Gesicht oder Genitalbereich heilen schneller als weniger gut durchblutete Stellen wir Unterschenkel- und Fussbereich. Extrem infektionsbedingt können Wunden im Anal- und Genitalbereich sowie in Hautfalten sein.

Feuchtigkeit, Temperatur und mechanische Belastung | Eine trockene Wundumgebung bedeutet unter anderem Zelluntergang – eine Wunde sollte in einem feuchten Milieu heilen können. Die Temperatur der Wundumgebung sollte nicht unter der Körpertemperatur des Patienten liegen. Mechanische Belastungen wie z.B. Fehlbelastungen oder zu starker Druck durch Verbände können nicht nur den Heilungsprozess verhindern, sondern sogar Ursache wie chronische Wunden wie Dekubitus sein.

Inadäquate lokale Wundbehandlung | Falsch angewendete Massnahmen wie z.B. Spülen der Wunde mit einer schädigenden Flüssigkeit oder die Auswahl einer falschen Wundauflage sowie das wiederholte Abreissen von verklebtem Verbandmaterial können eine erhebliche Störung bedeuten.

Fremdkörper | Fremdkörper wie abgestorbenes Gewebe oder nicht organisches Gewebe wie Reste von Verbandmaterial stören die Wundheilung.

 

Welche Komplikationen können bei der Wundheilung auftreten?

Wundinfektionen | Infektionen sind die häufigsten und schwerwiegendsten Heilungsstörungen. Die mehr oder weniger fehlende Schutzfunktion der Haut begünstigt das das unwillkommene Eindringen von #Mikroorganismen z.B. Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten.

Serome und Hämatome | Flüssigkeitsansammlungen in Hohlräumen stellen potentiellen Nährboden für Mikroorganismen dar, was zu einer Infektion führen kann.

Gestörte Neubildung des Bindegewebes | Bei der Narbenbildung kann es zu überschiessender Gewebeneubildung kommen. In bestimmten Bereichen, z.B. bei Gelenken, kann dies zu Funktionseinschränkungen führen.

Wundrandnekrosen | Unzureichende Gefässversorgung kann zum Absterben von Gewebe führen. Die so genannten Nekrosen sollten abgetragen werden.

 

 

Quelle: Wundmanagement – Ein illustrierter Leitfaden für Ärzte und Apotheker, Wiltrud Probst und Anette Vasel-Biergans, Stuttgart, 2010.

16.09.2019